Page 38 - SEHTEST
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Auch Ludwig Wilding spielt mit der Wahrnehmung. Sein minimalistisches Werk
          „Scheinbewegung“ aus zwei hintereinander liegenden Scheiben suggeriert ge-
          nau dies: eine scheinbare Bewegung. Wilding versucht nicht „den Schein zu wah-
          ren“, sondern legt seine Technik offen dar. Dennoch kann man sich der optischen
          Illusion nicht entziehen. Eine Erkenntnis, die über sich hinaus deuten kann: Man
          kann auch von einem System getäuscht werden, dessen Struktur man versteht
          und dessen Absicht man erkannt hat. Die Einfachheit der Struktur dieses Werks
          lässt an der eigenen Wahrnehmung zweifeln.

          Die Ausstellung „Sehtest“ ist zugleich eine Sehschule. Ein Gang durch die Aus-
          stellung spielt mit dem Auge und den Gewohnheiten des Sehens, Erkennens und
          Interpretierens. So stellt sich am Ende dieses Sehtests die Frage, ob der Betracht-
          ende sein Sehen kontrolliert oder ob es vom Objekt und seinen Sehgewohnheiten
          gelenkt wird. Das Fazit kann nur lauten, dass ein regelmäßiger Galeriebesuch wie
          dieser den Blick für weiteres Sehen schult, sei es in der Kunst oder in der Welt.

          Zu Ludwig Wilding: 1927 in Grünstadt geboren, 2010 in Buchholz in der Nordhei-
          de gestorben. Wilding war ein wichtiger Vertreter der kinetischen Kunst und der
          Op-Art.
          „visuelle kunst findet primär über den kanal des auges statt“ – dies ist ein Schlüs-
          selsatz aus einem Text Ludwig Wildings aus dem Jahre 1975. Er, der von sich sag-
          te, er mache keine Op-Art, fordert uns heraus, über diesen Begriff zu reflektieren,
          denn zweifelsohne ist jede kreative Leistung, die mit dem Auge rezipiert wird, eine
          „optische“ Kunst. Er benutzte gerne den Begriff „irritative kunst“, er wollte die
          Grenzen visueller Wahrnehmung erkunden. Wichtig war für ihn auch die Interakti-
          on des Betrachters, denn nur durch dessen Position im Raum oder dessen Bewe-
          gungen verwandelt sich schlussendlich das meist flache Objekt zu einem dreidi-
          mensionalen Seherlebnis.“ (Quelle: www.galerie-bender.de. Die Galerie Bender in
          München hat uns das Werk Wildings für diese Ausstellung ausgeliehen.
















                                              Ludwig Wilding, Scheinbewegung, 1991
                                  Serigraphie, Glas bedruckt, 28 x 28 cm, Exemplar 7/100





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