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Ein Kunstwerk als psychologischer Test? Werner Berges‘ „Ansichtssache“ ist tat-
sächlich Ansichtssache. Je nach Blickfokus zeigt er ein Gesicht im Profil oder in
Frontalansicht. Dabei verlagert sich nicht nur unser Fokus im Werk, sondern die
gestalteten Flächen verändern ihre Rolle von Hintergrund zu Vordergrund. Die in-
tensiven Farben der gestreiften Flächen irritieren das Sehen nochmals. Unsere
Sehgewohnheit lenkt unseren Blick nur zu leicht auf die grellen Farben und klaren
Flächen. Wir sind es schließlich gewohnt, dass diese uns das zentrale Motiv und
die Aussage präsentieren. Die klaren Linien und Farben spiegeln Klarheit vor und
spielen doch mit unserem Blick, der nach einer konkreten Ordnung sucht.
Zu Werner Berges: geboren 1941 in Cloppenburg, gestorben 2017 in Schallstadt
bei Freiburg im Breisgau. In den sechziger Jahren wurde Berges bekannt für sei-
ne grafische Umwandlung von Frauenbildern aus den Medien (Zeitschriften,
Werbung) in Streifen, vergrößerten Rasterpunkten und Farbflächen. Die Grafik
„Ansichtssache“ (gedruckt von HP Haas und verlegt von der DavisKlemmGallery)
erschien 2017 in einer Auflage von 75 Exemplaren anlässlich des 75. Geburtstages
des Künstlers.
Werner Berges, Ansichtssache, 2016
Handsiebdruck in sieben Farben, 80 x 60 cm, Auflage 75
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