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Julian Opie stört unsere Sehgewohnheit auf besondere Weise. Das zunächst
harmlose Porträt einer jungen Frau wird erst durch die Bewegung des Betrachters
irritierend: die Augen der Dargestellten bewegen sich. Ist der Betrachter vielleicht
selbst der Betrachtete? „Elena rolling her eyes“ lädt ein, mit dem Werk zu spielen,
neue Blickwinkel einzunehmen, um einen neuen Ausdruck im Gesicht der Darge-
stellten zu entdecken, während diese würdevoll gelassen an ihrem Platz verharrt.
Ihre sich bewegenden Augen bringen auch Bewegung in das Auge des Betrach-
ters. Das Sehen und das Auge sind hier Thema und Motiv zugleich.
Die „Peripheral Vision #3“ von Steve Johnson zeigt ebenfalls eine besondere Per-
spektive auf. Sein Haus präsentiert als Hauptansicht den Querschnitt eines Mehr-
familien-Stadthauses, die ungestaltete Seitenwand, die normalerweise durch das
nächste angrenzende Haus verdeckt wäre. Eine Perspektive, die in größeren Städ-
ten nicht ungewöhnlich ist, und trotzdem als Hauptansicht unsere Sehgewohnheit
irritiert. Die präsentable Front strukturiert die Bausubstanz in menschliche Maße,
in wohnliche Einheiten, in denen Leben stattfindet. Diese riesige trostlose Fläche
lässt aber eher an das Wort Bausubstanz als an ein Zuhause denken. Unser Blick
wird auf die farbig gestalteten Seiten gelenkt, wodurch wir eine Perspektive ge-
genüber einem Kunstwerk einnehmen, die selten gefragt ist: seitlich vom Werk.
Hier treffen sich zwei Sehgewohnheiten: die der Kunstbetrachtung und die des
Motivs, der Architektur. Uns ist freigestellt, auf welche wir uns einlassen wollen.
Zu Julian Opie: geboren 1958 in London; hat bei Michael Craig-Martin studiert;
lebt und arbeitet in London. Julian Opie gehört zu den erfolgreichsten zeitgenös-
sischen Künstlern Englands. Seine Experimentierfreudigkeit mit alten und neuen
Techniken spiegelt sich in seinem Oeuvre, das von Fassaden-großen LED Video-In-
stallationen bis zu mit Laser geschnittenen Bildern reicht. Bei „Elena rolling her
eyes“ verwendet er die Technik der „Wackelpostkarte“, die er jedoch in einer ho-
hen technischen Qualität abliefert.
Zu Steve Johnson: geboren 1953 in Whitstable, Kent, England; hat bei Michael
Craig-Martin studiert; lebt und arbeitet in London. Johnson beschäftigt sich häufig
in seinen Werken mit existenziellen Ängsten. Insofern ist der Titel dieses Werks,
„peripheres Sehen“ sowohl ein Hinweis auf die visuelle Fähigkeit, die Ränder/die
Peripherie wahrnehmen zu können, wenn man auf einen zentralen Punkt schaut,
als auch ein Hinweis auf das Wahrnehmen des Lebens an der Peripherie oder auch
am Rande der Gesellschaft.
Seiten 10/11: Julian Opie, Elena rolling her eyes, 2015
Lenticular in aluminium frame, 90,4 x 61,1 cm, Exemplar 23/30
Seiten 13/14: Steve Johnson, Peripheral Vision #3, 2014
mixed media, 100 x 160 x 16 cm
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